Warum ein Friseurbesuch für Kinder so viel mehr sein kann als Haare schneiden
Ein Friseurbesuch ist für uns Erwachsene meist etwas ganz Selbstverständliches. Wir vereinbaren einen Termin, nehmen Platz, besprechen unsere Wünsche und lassen uns die Haare schneiden.
Für Kinder kann das allerdings eine ganz andere Erfahrung sein. Neue Umgebung, fremde Hände, ungewohnte Geräusche, Schere, Kamm und Bürste – all das kann aufregend, spannend, manchmal aber auch ein wenig beängstigend sein.
Und dann gibt es diese besonderen Begegnungen, die einem als Friseurin noch lange in Erinnerung bleiben. Denn sie zeigen, dass Haare schneiden so viel mehr sein kann als ein handwerklicher Vorgang.
Drei Kinder, drei erste Friseurbesuche und ganz viel Vertrauen
Vor Kurzem durfte ich als mobile Naturfriseurin eine Familie kennenlernen, deren drei Kinder noch nie zuvor bei einem Friseur gewesen waren.
Zwei Jungs im Alter von 13 und 11 Jahren und ein fünfjähriges Mädchen. Alle drei mit schulterlangen Haaren. Bisher hatte ihre Mama die Spitzen immer wieder selbst ein wenig gekürzt.
Noch bevor ich mich auf den Weg machte, erreichte mich eine Nachricht der Mutter mit einer Frage: Ob sie den Kindern vor meinem Besuch schon die Haare waschen sollte?
Meine Antwort war ein klares Nein. Ich sehe mir Haare nämlich besonders gerne zuerst im trockenen Zustand an. So kann ich beobachten wie sie natürlich fallen, wie sie beschaffen sind und welche Eigenheiten sie mitbringen. Schließlich erzählt jedes Haar seine eigene kleine Geschichte.
Als ich bei der Familie ankam, war die Neugierde groß. Wer würde wohl den Anfang machen?
Der mittlere Sohn meldete sich freiwillig und nahm als Erster auf dem vorbereiteten Stuhl Platz.
Zunächst besprachen wir ganz in Ruhe seine Wünsche und Vorstellungen für die neue Frisur. Danach machte ich ihm ein Angebot: Wie wäre es, wenn wir mit einer kleinen Kopfhautbürstenmassage beginnen?
Schon nach den ersten sanften Bürstenstrichen kam ein begeistertes:
„Wow, ist das fein!“
Na, wenn das kein schöner Anfang ist!
Ich schaute mir seine Kopfhaut an, fragte nach seiner bisherigen Pflegeroutine und erklärte ihm auch warum ich eine Ansatzwäsche für sinnvoll halte. Die sanfte Kopfmassage beim Shampoonieren genoss er sichtlich und seine Mama half ihm anschließend beim ausspülen.
Dann ging es an den Haarschnitt. Wir hatten seine Wünsche zuvor genau besprochen und ich setzte sie so um, wie er es sich vorgestellt hatte.

„Ein Haarschnitt beginnt nicht mit der Schere, sondern mit Vertrauen.“
– Susanne Lins, Naturfriseurin
Wenn aus einer Bürstenmassage ein kleines Verwöhnprogramm wird
Beim fünfjährigen Mädchen wiederholte sich dieses schöne Ritual.
Auch sie durfte zunächst die Kopfhautbürstenmassage kennenlernen und war ganz begeistert davon. Wir kamen ein wenig ins Gespräch, sie erzählte mir etwas aus ihrer Familienwelt und fühlte sich sichtlich wohl.
Etwas unschlüssig über die Frisur, wurde aus ihren langen Haaren dann doch ein hübscher Pagenkopf.
Ihre Freude über die neue Frisur war riesengroß. Sie strahlte über das ganze Gesicht. Und als sie meinte, ich müsse unbedingt wiederkommen, war ich sehr gerührt und musste lächeln.
Auch der älteste Bruder durfte anschließend die wohltuende Bürstenmassage genießen.
Bei ihm entwickelte sich unser Gespräch in eine etwas andere Richtung. Er erzählte mir, dass er früher Probleme mit seiner Kopfhaut gehabt und deshalb vom Arzt ein spezielles Shampoo bekommen hatte. Inzwischen sei es wieder besser geworden.
Er zeigte mir auch das Shampoo, das er derzeit auf Empfehlung seines Arztes weiter verwendet.
Wir sprachen darüber, worauf er bei einem möglichen späteren Umstieg auf ein Naturshampoo achten könnte. Ich gab ihm den Tipp, seine Kopfhaut regelmäßig sanft zu bürsten und auch seine Haarbürste gut sauber zu halten. Denn in einer ungepflegten Bürste können sich Rückstände sammeln, die man beim nächsten Bürsten wieder auf Haar und Kopfhaut verteilt.
Es waren schöne Gespräche, kleine Pflegetipps und vor allem eine Begegnung auf Augenhöhe.
Die ganze Familie war begeistert. Sogar ein Stück Kuchen von der Oma wurde mir noch als kleine Wegzehrung eingepackt.
Doch das schönste Kompliment kam von den Kindern selbst: Alle drei waren sich einig, dass sie von nun an nur noch zu Hause von mir – Susanne – frisiert werden wollten.
Die Mama meinte lachend, dass sie wohl demnächst auch einen Termin bei mir vereinbaren müsse.
Und als ich wieder zu Hause war, erreichte mich noch eine SMS:
„Meine Kinder sind begeistert von dir!“
Solche Rückmeldungen gehen direkt ins Herz. Denn genau das möchte ich mit meiner Arbeit erreichen: dass Menschen nicht nur mit einer schönen Frisur, sondern auch mit einem guten Gefühl nach Hause gehen.
Wenn der Friseurbesuch zur Herausforderung wird
Doch so harmonisch läuft natürlich nicht jeder Kindertermin ab.
Eine ganz andere Erfahrung machte ich einmal während einer Urlaubsvertretung in einem Naturfriseursalon.
Ein Junge im Schulalter sollte seine schulterlangen Haare schneiden lassen. Allerdings wollte er überhaupt nicht zum Friseur – und schon gar nicht seine Haare schneiden lassen.
Das bekam ich ziemlich schnell zu spüren.
Schon beim vorsichtigen Kämmen zuckte er zusammen. Ich durfte ihn kaum berühren, seine Hände waren ständig in den Haaren, und machten es mir zusätzlich schwer überhaupt einen Schnitt vorzubereiten. Dazu kam noch ein Kaugummi, der sich in seinen Haaren verfangen hatte und sich nur mühsam lösen ließ.
Eine ganze Stunde beschäftigte ich mich mit ihm. Seine Mutter versuchte anfangs noch ihn zu beruhigen, wurde mit der Zeit aber immer stiller.
Auch meine Geduld wurde zunehmend auf die Probe gestellt. Irgendwann musste ich mir eingestehen: So kommen wir nicht weiter.
Ich legte die Schere zur Seite und sagte ihm, dass er nun selbst entscheiden müsse. Entweder wir beenden den Haarschnitt gemeinsam, oder er geht mit einem halbfertigen Schnitt nach Hause.
Ich ließ ihm Zeit, darüber nachzudenken.
Inzwischen war meine nächste Kundin eingetroffen. Sie bekam die Situation mit und reagierte ganz wunderbar. Sie erklärte dem Jungen, dass sie eigentlich jetzt ihren Termin hätte, ihm aber gerne etwas von ihrer Zeit schenken würde wenn er mich den Haarschnitt beenden ließe.
Auch sie machte ihm deutlich, dass er so nicht unbedingt nach Hause gehen sollte. Das brachte schließlich etwas Bewegung in die Situation.
Am Ende konnte ich den Haarschnitt fertigstellen.
Für mich blieb diese Begegnung allerdings nachdenklich zurück. Denn eines wurde mir sehr deutlich: Ein Kind, das partout nicht zum Friseur möchte, lässt sich nicht einfach mit Geduld, guten Worten oder handwerklichem Können überzeugen.
Vielleicht ist es noch nicht bereit. Vielleicht hat es Angst. Vielleicht fühlt es sich mit der Situation einfach nicht wohl.
Und sicher wäre es besser gewesen, den Termin gar nicht erst anzutreten oder ihn rechtzeitig abzubrechen.
Ich erinnere mich auch daran, dass seine jüngere Schwester zuvor bei mir gewesen war. Sie hatte sich über ihren Haarschnitt sichtlich gefreut und war happy damit. Die beiden Kinder hätten unterschiedlicher kaum reagieren können.
Das zeigt einmal mehr: Jedes Kind ist anders.
Was Kinder beim Friseur wirklich brauchen
Kinder brauchen keine perfekten Bedingungen und auch keine aufwendige Unterhaltung um einen Friseurbesuch positiv zu erleben. Was sie brauchen ist vor allem eines: Vertrauen.
Sie möchten wissen, was passiert. Sie möchten ernst genommen werden und dürfen Fragen stellen. Sie brauchen Zeit um sich an eine neue Person, an Berührungen und an die ungewohnte Situation zu gewöhnen.
Eine sanfte Bürstenmassage kann dabei ein schöner Einstieg sein. Sie vermittelt Geborgenheit, macht die Berührung angenehm, und hilft manchen Kindern sich auf das neue Erlebnis einzulassen.
Auch das Erklären der einzelnen Schritte ist wichtig. Wenn Kinder verstehen, warum etwas gemacht wird, können sie sich oft viel besser darauf einlassen.
Und manchmal braucht es einfach eine Pause.
Als Naturfriseurin möchte ich Kindern nicht nur eine schöne Frisur schenken, sondern auch vermitteln, dass der Umgang mit ihren Haaren und ihrer Kopfhaut etwas Angenehmes sein darf.
Dabei ist mir wichtig, ihre Wünsche wahrzunehmen, ihre Grenzen zu respektieren und ihnen auf Augenhöhe zu begegnen.
Denn ein Kind ist kein kleiner Erwachsener. Es bringt seine eigene Persönlichkeit, seine eigenen Vorstellungen und seine ganz eigenen Gefühle mit.
Manchmal ist das schönste Ergebnis gar nicht die Frisur
Ob ein Kind begeistert auf dem Friseurstuhl sitzt, neugierig jede Bewegung verfolgt oder sich zunächst einmal gar nicht auf das Haareschneiden einlassen möchte – jede Begegnung ist anders.
Und genau das macht die Arbeit mit Kindern so besonders. Manchmal verlassen Kinder den Friseurstuhl mit einer neuen Frisur. Manchmal nehmen sie etwas viel Wertvolleres mit nach Hause: das Gefühl, gesehen, verstanden und ernst genommen worden zu sein.
hairzlich Susanne







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